Das wichtigste und wohl typischste Verkehrsmittel auf den Kapverden ist der Aluguer.
Meist handelt es sich um einen Toyota Hiace (Minibus) oder – für kürzere Strecken im Ort – einen Toyota Hilux Pickup. Beide funktionieren nach dem gleichen Prinzip:
- Sie fahren auf festen Routen, können aber fast überall anhalten, um Fahrgäste mitzunehmen oder abzusetzen.
- Die Route steht in der Regel an der Seite des Fahrzeugs, zum Beispiel „ Praia – Assomada – Praia “.
- Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht – los geht es in der Regel dann, wenn der Bus voll genug ist.
Gerade bei den Hiace-Minibussen heißt das: Wer in einen halbleeren Aluguer einsteigt, sollte damit rechnen, dass es noch eine Weile dauert, bis es wirklich losgeht. Der Fahrer wird zwar gern versichern, dass er „gleich losfährt“, in der Praxis wartet er aber so lange, bis der Bus zumindest halbwegs voll ist. Oft fahren die Aluguers nach den ersten Einsteigern noch durch den Ort, sammeln weitere Fahrgäste ein und „füllen“ den Bus für die gewünschte Destination.
Am schnellsten geht das früh morgens, wenn viele Einheimische zur Arbeit oder zur Schule müssen, und am späten Nachmittag/Feierabend, wenn alle wieder nach Hause fahren. Dazwischen kann es deutlich länger dauern, bis ein Fahrzeug voll ist.
In gut gefüllten Aluguers kann es ziemlich eng werden. Sitzplätze werden gern kreativ „erweitert“ – es werden Hocker, Klappsitze oder provisorische Sitzbänke dazwischengestellt, damit noch ein paar Mitfahrer mehr Platz finden. Manchmal sind dann auch mehr Personen an Bord, als offiziell erlaubt wäre. Und es kann passieren, dass nicht nur Menschen mitfahren: Eine Ziege, ein kleines Schwein, Säcke mit Gemüse oder Kisten mit Fisch fürs Landesinnere sind keine Seltenheit. Genau das macht eine Aluguer-Fahrt zu einem kleinen Abenteuer, bei dem man sehr nah am kapverdischen Alltag dran ist.
Typisch für viele Hiace-Aluguers ist auch die Musiklautstärke: Nicht selten läuft rassiger Funaná oder andere kapverdische Rhythmen in einer Lautstärke, die für europäische Ohren eher „Konzert“ als „Hintergrundmusik“ ist. Wer empfindlich auf Lärm reagiert, freut sich über Ohrstöpsel – alle anderen bekommen gratis eine kleine Partyfahrt auf Rädern dazu.
Manchmal sitzt vorne neben dem Fahrer noch jemand, dessen einzige Aufgabe es ist, den Bus vollzubekommen: Er lehnt sich aus dem Fenster, ruft laut die Route aus, kündigt an, dass der Bus „gleich losfährt“ – und versucht, möglichst viele Leute zu überzeugen, genau diesen Aluguer zu nehmen. Nicht selten gibt es mehrere Fahrzeuge mit derselben Destination, und die Fahrer konkurrieren ein wenig um die Mitfahrenden. Für Gäste wirkt das manchmal chaotisch, ist aber absolut typisch kapverdisch – und oft ziemlich unterhaltsam.
Wichtig bei fixen Terminen: Wer einen Flug, eine Fährverbindung oder einen anderen zeitkritischen Termin einhalten muss, sollte sich nicht allein auf den Aluguer verlassen. Durch das Warten, bis der Bus voll ist, die vielen Ein- und Aussteiger unterwegs und mögliche Umwege ist es fast unmöglich, eine genaue Ankunftszeit vorherzusagen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, entweder ein (deutlich teureres) Taxi zu nehmen oder sehr viel Pufferzeit einzuplanen, wenn man doch mit dem Aluguer fahren möchte.
Zentrale Aluguer-Plätze findest du fast in jeder Stadt, zum Beispiel:
- in Mindelo an der Praça Estrela
- in Praia beim großen Straßenmarkt „ Sukupira “
- in Tarrafal (Santiago) direkt hinter der großen Markthalle.
Von dort starten die meisten Routen ins Umland und in andere Orte der Insel.
Tipps für den Aluguer:
- Frag nicht nur den Fahrer, sondern auch andere Fahrgäste, ob dein Ziel auf der Route liegt – so bekommst du meist die ehrlichsten Infos.
- Kläre den Preis vorab – Schulkinder zahlen oft Sondertarife, und Gepäck (z.B. große Rucksäcke, Koffer) wird häufig wie eine zusätzliche Person berechnet.
- Plane Zeit und Gelassenheit ein: Eine Fahrt mit dem Aluguer ist weniger „Pünktlichkeit“ und mehr kapverdisches Alltagsabenteuer – dafür aber sehr authentisch.